Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Insititut Berlin (STIKO)
empfiehlt die Pneumokokkenimpfung für Kinder im 1. und 2. Lebensjahr nach wie vor nur
für Risikopersonen. Diese seit über einem Jahr bestehende Empfehlung wird jedoch nur
unzureichend umgesetzt. So werden in Mecklenburg-Vorpommern nur 31 Prozent der
Risikokinder geimpft (Bundesdurchschnitt 28 Prozent) Von einigen Pädiatern unseres
Landes kam der Wunsch, die Empfehlungen der STIKO, die sehr allgemein gehalten sind, zu
präzisieren und mit Beispielen zu unterlegen, um die Akzeptanz der Pneumokokkenimpfung
bei Ärzten und Eltern zu verbessern.
Die nachfolgend aufgeführten Pneumokokken-Indikationsimpfungen für Kinder im ersten
und zweiten Lebensjahr werden von allen Krankenkassen in Mecklenburg-Vorpommern
finanziert:
- Ehemalige Frühgeborene (< 38 Wochen)
- Kinder mit niedrigen Geburtsgewicht (< 2.500 g)
- Kinder mit Immunsuppression
- angeborene/erworbene Immundefekte, z. B. Hypogammaglobulinaemie, Komplement- und
Properdindefekte
- funktionelle oder anatomische Asplenie
- hämatologische Erkrankungen, z. B. Leukämie, M. Hodgkin, Sichelzellanaemie,
Kugelzellanaemie, Thalassämie, nach Knochenmarktransplantation
- onkologische Erkrankungen (vor Therapie, in Remission oder bei Therapieende)
- vor Organtransplantation und vor immunsuppressiver Therapie
- chronische Infektionen, z. B. HIV, EBV, Zytomegalie
- Kinder mit chronischen Krankheiten
- Herz-Kreislauf Erkrankungen, z. B. konnatale Herzfehler oder chronische Herzerkrankungen
anderer Art
- Chronische Erkrankungen der Atumungsorgane, z. B. Infektanfälligkeit,
chronisch-rezidivierende Bronchitis, Asthma bronchiale sowie chronisch-rezidivierende
Infektionen im HNO-Bereich
- Stoffwechselerkrankungen, z. B. Mukoviszidose, Diabetes mellitus
- chronische Nierenerkrankungen
- chronische Lebererkrankungen
- neurologische Erkrankungen, z. B. Zerebralparesen, Anfallsleiden, Liquorfistel, Spina
bifidia bzw. Neuralohrdefekte
- neuromuskuläre Erkrankungen, z. B. Muskeldystrophien
- Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Autoimmunerkrankungen.
- Kinder mit Gedeihstörungen
Die Gedeihstörungen bezeichnet eine Verzögerung der somatischen und meist damit
verbundenen motorischen und psychosozialen Entwicklung, die sich aus Wachstums- und
Gewichtskurven ablesen läßt:
Die Verlaufskurve von Körpergewicht und/oder der Körperlänge fällt unter die dritte
Perzentile oder (im Vergleich zur genetischen Zielhöhe des Patienten) mehr als zwei
Hauptperzentilen ab.
Neben den unter Punkt 3 und 4 genannten organischen Ursachen für eine Gedeihstörung
sind weitere zu nennen:
- anderer konnatale Syndrome, z. B. Alkoholembryopathie
- Chromosomenschäden, z. B. Trisomie 21
- Hormonale Störungen, z. B. AGS, Hypothyreose
- Zu den nicht organischen (psychosozialen) Ursachen gehören z. B.:
- gestörte Nahrungsaufnahme (über längere Zeit)
- Fehlernährung bei alternativer Ernährung
- Soziales Mangelmilieu.
Von Christel Hülße |