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  Home  >  Für Ärzte  >  Varia  >  2004  >  Anmerkungen zu Osteoporose-Leitlinien

Anmerkungen zu Osteoporose-Leitlinien

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Leserbrief von Doz. Dr. sc. med. Klaus-Dietrich Schwartz aus Schwerin

(Bezug: Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, 1-2004, Seiten 12-15)

Zahlreiche Ergebnisse medizinischer und biochemischer Methoden gaben in den letzten Jahren Anlass, sie neu in die therapeutischen Konzepte der Osteoporose einzuordnen. Daher ist die Erarbeitung der DVO-Leitlinien begrüßenswert. Nach Durchsicht der Originaltexte im Internet (www.bergmannsheil.de) finde ich als Radiologe jedoch Konsens hinsichtlich der empfohlenen Methoden für die Osteodensitometrie. Sie war um 1993/94 bereits einmal in Misskredit geraten, da sie vielerorts nicht unter Beachtung der notwendigen Qualitätsanforderungen praktiziert wurde. Heute erscheint mir die Auswahl der empfohlenen Messverfahren kritikwürdig.
Der Regionale Expertenkreis Osteoporose (REKO) favorisiert entsprechend der Leitlinien die DXA-Messung (Dual X-ray Absorptiometry) an Wirbelsäule und Oberschenkelhals. Er hält andere Methoden wie die quantitative Computertomographie (QCT) und Ultraschallmessungen (QUS) derzeit nicht für empfehlenswert. Bezüglich der QCT muss dem meines Erachtens widersprochen werden, solange alleine die geprüfte Datenlage in der gesichteten klinischen Literatur zu dieser Aussage führt. Die technischen Gesichtspunkte sind unzureichend berücksichtigt.
Zum besseren Verständnis des Einwandes soll kurz die bisherige Entwicklung des klinischen Einsatzes der Verfahren skizziert werden. Seit 1987 überschütteten etwa vier Hersteller Europa mit DXA-Geräten. Die Zahl der Untersuchungen stieg zwischen 1988 und 1992 von 13000 auf 790000/a. Die Anwendung der QCT folgte in größerer Breite erst später; 1993 waren nur etwa 400 Geräte für die periphere Computertomographie am Radius (pQCT) im Einsatz. Sie wurden schon seinerzeit als interessante Neuentwicklung in der medizinisch-technischen Literatur gewürdigt. Von klinischer Seite beschrieb H.-Ch. Schober, jetzt Mitglied des REKO, bereits 1992 im Ärzteblatt M-V die Notwendigkeit einer getrennten Messung von Kortikalis und Spongiosa, wie sie erst mit der QCT möglich wurde.
Das Überwiegen der Zahl kontrollierter Therapiestudien mit dem DXA-Verfahren in der Literatur ließe sich also hinreichend mit der bisherigen Methodenverfügbarkeit erklären. Zwischenzeitlich gibt es zahlreiche Publikationen über alters-, geschlechts- und therapiebezogene Referenzkollektive. Auch liegen genügend Arbeiten vor, welche die Korrelation von pQCT am Radius und DXA am Schenkelhals bestätigen. Dabei war die Signifikanz erwartungsgemäß bei getrennter Bewertung der Knochenkompartimente für den Mineralgehalt der Spongiosa in der Regel am höchsten.
Mit diesen Beispielen kann der Empfehlung aus dem Originaltext der Leitlinien nur zugestimmt werden, dass die Datenlage für die CT-Verfahren kurzfristig neu zu diskutieren ist. Dem entspricht nicht die Schlussfolgerung, diese Methoden derzeit abzulehnen.
Obwohl eine Korrelation der genannten Methoden für eine ganze Reihe klinischer Fragestellungen bestätigt wurde, sind die Messergebnisse von DXA und pQCT inhaltlich nicht vergleichbar. Mit DXA errechnet man den Flächendichtewert eines gemischten Arials der Knochenkompartimente. QCT kann volumenbezogen den Mineralgehalt der reinen Spongiosa erfassen. Sie ist bekanntermaßen vielfach stoffwechselaktiver als der kompakte Knochen. Bei beiden Verfahren erschweren degenerative, entzündliche und traumatische Veränderungen gleichermaßen die Beurteilung der Messergebnisse sowohl im peripheren wie auch im axialen Skelett.
Im letzten Expertenkonsens der WHO (Lissabon 2002) wird die Osteoporose als reduzierte Festigkeit des Knochens definiert. Knochendichte oder –masse sind unterschiedlich unzuverlässige Werte hierfür; unter allen derzeitigen densitometrischen Verfahren erfasst nur die pQCT in ihrem Softwareprogramm diesen Parameter. Wissenschaftlich experimentelle Untersuchungen und mathematische Modellanalysen wurden auf diesem Gebiete auch im Institut für Biomedizinische Technik der Medizinischen Fakultät an der Universität Rostock durchgeführt. Darüber hinaus liegen bereits zwei klinische Studien vor, die nach den höchsten Kriterien der evidenzbasierten Medizin am Menschen eine Zunahme der Knochenfestigkeit nach Therapie mit Alendronat und Parathormon an Ergebnissen der pQCT belegen.
Derzeit wäre es also voreilig, die eine oder andere Untersuchungsmethode von der klinischen Anwendung zu diskriminieren. Es ist auch nicht zu verantworten, damit den aktuellen Bestand an Untersuchungsbefunden für weitere Verlaufskontrollen unbrauchbar und die betreuenden Ärzte unsicher zu machen. In unserem Lande wären alleine 5700 QCT-Befunde von Patienten des Jahres 2003 betroffen.

 

 

 

 

 

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