Wenn sie gesund ist, wiegt sie nur 20 bis 30
Gramm und ist dennoch enorm wichtig: die Schilddrüse. Sie produziert zwei lebenswichtige
Hormone: das Trijodthyronin, kurz T3 genannt, und Thyroxin, abgekürzt T4. Beide Hormone
beeinflussen den Stoffwechsel und sind mit zuständig für Wachstum und Reifung ein
Mangel an T3 und T4 wirkt sich daher besonders im Kindesalter negativ aus: Es kann zu
schweren körperlichen und geistigen Schäden kommen. Aber auch Erwachsene benötigen die
Hormone. Fehlen sie, kann der Körper die aufgenommene Nahrung nicht mehr angemessen in
Energie umwandeln. Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Wärmeregulation, des
Körpergewichts und der persönlichen Leistungsfähigkeit sind nur einige der Folgen.
Ohne Jod geht es nicht
Jod ist ein wichtiger Bestandteil der Schilddrüsenhormone: T3 enthält drei
Jod-Moleküle, T4 vier. Fehlt der Schilddrüse das Jod, fehlt ihr der Baustoff, um ihre
Hormone zu produzieren. Der Körper ist nicht in der Lage, Jod selbst zu bilden, sondern
wir müssen es mit der Nahrung aufnehmen und genau hier beginnen die Probleme: Der
tägliche Jodbedarf eines Erwachsenen liegt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung bei rund 200 Mikrogramm (200 Millionstel Gramm) Schwangere und Stillende
benötigen sogar 230 bis 260 Mikrogramm pro Tag. Experten schätzen jedoch, dass die
Deutschen durchschnittlich nicht mehr als 120 Mikrogramm Jod pro Tag zu sich nehmen
das ist deutlich zu wenig: Schilddrüsenstörungen aufgrund eines Jodmangels sind daher
kein Einzelfall, im Gegenteil: Je nach Region haben ein bis zwei Drittel aller Erwachsenen
einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Kropf als Zeichen des Jodmangels.
Die Betreffenden können unter anderem folgende Beschweren erleiden:
- Der Kropf selbst macht Probleme, zum Beispiel weil die vergrößerte Schilddrüse auf
die Luftröhre drückt und die Atmung behindert
- der Hormonmangel führt zu körperlichen Beschwerden
- in der Schilddrüse bilden sich Knoten diese können entarten: Ein
Schilddrüsenkrebs entsteht.
Eine ausreichende Versorgung mit Jod basiert auf vier Säulen:
Die Grundlage ist eine vollwertige Ernährung mit mindestens zwei Mahlzeiten Seefisch die
Woche und dem täglichen Verbrauch von Milch oder Milchprodukten. Seefisch ist nicht nur
wegen des Jodgehaltes zu empfehlen, er enthält auch gesundes Vitamin D und
hochungesättigte Fettsäuren, die vor Arterienverkalkung schützen.
Jeder sollte in seinem Haushalt zum Kochen und Salzen ausschließlich Jodsalz verwenden.
Die Gefahr, zuviel Jod einzunehmen besteht dabei nicht.
Brot und Backwaren sowie Wurstwaren enthalten viel Salz. Jeder sollte sich daher bei
seinem Bäcker und Metzger erkundigen, ob dieser Jodsalz verwendet. Auch bei Konserven und
Fertiggerichten sollte man darauf achten, dass sie mit Jodsalz erzeugt wurden.
Wer zu wenig Fisch isst und keine oder wenig Milchprodukte verzehrt, sollte seinen Bedarf
an Jod mit Jodtabletten decken. Ob dies nötig ist und welche Dosierung die Richtige ist,
sollte der Betreffende allerdings vorher mit seinem Hausarzt besprechen.
von Dr. med. Wolfgang Eckert |