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  Home  >  Für Patienten  >  Gesundheitsratgeber  >  Gesundheitstipps  >  Wenn der Schulranzen drückt

Wenn der Schulranzen drückt

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Jedes Jahr zu Schulbeginn entbrennt die Diskussion aufs Neue: Was darf der Schulranzen der Erstklässler wiegen?

Ohne Zweifel ist die Wirbelsäule beim wachsenden Skelett durch Fehlbelastungen besonders gefährdet. Daher verbietet das Jugend-Arbeitsschutzgesetz auch Arbeiten, die mit Heben, Tragen oder Bewegen schwerer Lasten verbunden sind. Beim Schulranzen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP), auf Folgendes zu achten: Einseitiges Tragen des Ranzens oder ungleich eingestellte Gurte, die eine Schiefhaltung fördern, sind zu meiden. Ebenso zu kurze Gurte, die einen Rundrücken, und zu lange Gurte, die einen Hohlrücken provozieren. Der Ranzen ist dicht am Körper zu tragen. Die Eltern sollten regelmäßig Inhalt und Gewicht des Schulranzens ihrer Kinder kontrollieren – das Ranzengewicht soll zehn Prozent des Körpergewichtes nicht überschreiten, bei zarten Kindern eher noch weniger. Der ideale Ranzen hat ein geringes Grundgewicht von 1000-1300 Gramm mit einem Volumen von 20 Litern und darf die Schulter des Kindes nicht überragen. Die Gurte und der Rückenteil sollten gepolstert sein.

Entscheidend Bewegungsmangel

Allerdings sind Schädigungen der kindlichen Wirbelsäule durch den Schulranzen bislang nicht bekannt geworden. Wahrscheinlich ist die Zeit, in der die Kinder die Ranzen tragen, zu kurz, um eine chronische Schädigung zu erzeugen. Außerdem werden viele Schüler im Auto oder Schulbus zur Schule gebracht und wieder abgeholt. Das Fazit: Eine gesunde kindliche Wirbelsäule wird die Belastung durch den Schulranzen ohne Schädigung tolerieren. Das Problem ist vielmehr: Zahlreiche Kinder haben einen durch Bewegungsmangel unzureichend trainierten Haltungs- und Bewegungsapparat. Schuld sind unter anderem die fehlenden Möglichkeiten zu freiem Spiel und Sport und falsches Freizeitverhalten – zum Beispiel exzessives Fernsehen und Computerspiele schon bei Klein- und Vorschulkindern. Die Möglichkeit zum spielerischen Training durch Sport im Verein oder Sport im Kindergarten nutzen viele Eltern zu wenig.

Sportmöglichkeiten fördern

Die Diskussionen um das Ranzengewicht greifen also an der falschen Stelle an. Die möglichen Schäden sind im wesentlichen die Folgen unseres Umgangs mit den Kindern. Im Vordergrund aller Diskussionen muss stehen, dass die Gesellschaft verpflichtet ist, als Ersatz für die ständige Einschränkung der Spielflächen den Kindern vermehrt Sport im Kindergarten und regelmäßigen, möglichst täglichen, Schulsport zu bieten, um so den kindlichen Haltungs- und Bewegungsapparat zu stabilisieren.

Medizin heute, März 2003, Dr.med. Wolfgang Eckert, Präventionsbeauftragter der KBV

 

 

 

 

 

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